Ende Februar 2026 haben militärische Operationen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt die Ölpreise in kurzer Zeit um fast 50 % nach oben getrieben. Aktienmärkte weltweit sind unter Druck geraten, die Schlagzeilen sind düster – und viele Anleger fragen sich: Sollte ich jetzt etwas unternehmen? In diesem Artikel schauen wir uns an, was passiert ist, was es für langfristige Anleger tatsächlich bedeutet – und warum der bewährteste Rat der Geschichte immer noch derselbe ist: Bleib deinem Plan treu.
Was ist passiert?
Ende Februar haben die USA und Israel Militäroperationen gegen den Iran gestartet. Der Konflikt hat erhebliche Störungen auf den globalen Energiemärkten ausgelöst: Der Brent-Rohölpreis ist auf über 112 US-Dollar pro Barrel gestiegen – vor Ausbruch des Konflikts lag er noch bei etwa 72 Dollar. Der Irak rief für ausländische Ölfirmen die höhere Gewalt aus, zwei Raffinerien in Kuwait wurden getroffen.
Die Folgen sind in der Gesamtwirtschaft spürbar. Die IEA bezeichnete die Lage als „die größte Energiesicherheitskrise der Geschichte“. In den USA sind die Kraftstoffpreise in weniger als einem Monat um über 20 % gestiegen. Da die Inflation durch den Ölpreisanstieg wieder anzieht, hat die US-Notenbank Fed kaum Spielraum für Zinssenkungen.
Die Reaktion an den Aktienmärkten ließ nicht lange auf sich warten: Der S&P 500 ist vier Wochen in Folge gefallen. Die Nachrichtenlage ist anhaltend negativ.
Warum fühlt sich das so bedrohlich an?
Wenn die Märkte fallen und die Nachrichten beunruhigend sind, reagieren wir instinktiv: Handle, schütze dich, geh raus. Diese Reaktion ist zutiefst menschlich – und vollkommen verständlich. Aber beim Investieren führt genau dieser Impuls fast immer zu schlechteren Ergebnissen.
Wer aus Angst verkauft, macht gleich zwei Fehler auf einmal:
- Er realisiert den Verlust – aus einem Buchverlust wird ein echter Verlust
- Er verpasst die Erholung – Märkte erholen sich oft schneller als erwartet, und wer nicht investiert ist, verpasst die stärksten Tage
Studien zeigen immer wieder: Wer nur die zehn besten Handelstage eines Jahrzehnts verpasst, kann seine langfristige Rendite etwa halbieren. Diese besten Tage fallen häufig mitten in Abschwungphasen – genau dann, wenn die Versuchung am größten ist, ausgestiegen zu sein.
Was sagt uns die Geschichte über geopolitische Krisen?
Ölschocks und geopolitische Konflikte sind keine neuen Phänomene an den Märkten. Einige Beispiele:
- 1973 – Arabisches Ölembargo: Der Ölpreis vervierfachte sich. Der S&P 500 verlor über 40 %. Die Angst war enorm. Zehn Jahre später standen die Märkte ein Vielfaches höher.
- 1990 – Golfkrieg: Der Ölpreis verdoppelte sich innerhalb weniger Monate. Die Märkte brachen ein. Der Krieg endete schneller als fast jeder erwartet hatte – und die Märkte setzten ihren Aufwärtstrend fort.
- 2022 – Russlands Angriff auf die Ukraine: Energiepreise explodierten, die Inflation zog scharf an, die Märkte verloren deutlich. Ein Jahr später hatten sich die Märkte bereits erheblich erholt.
In jedem dieser Fälle war die Angst berechtigt. Und in jedem Fall lag am Ende vorne, wer investiert geblieben war.
Das bedeutet nicht, dass diese Krisen nicht ernst sind – das sind sie. Aber die historischen Daten sind eindeutig: Geopolitische Ereignisse sind kein verlässlicher Kompass für Anlageentscheidungen. Ein durchdachter Plan hingegen schon.
Was bedeutet das konkret für dich?
Wenn du in einem global diversifizierten Indexfonds investiert bist, sieht die Lage derzeit so aus:
- Der Energiesektor ist aktuell der einzige klar positive Sektor im S&P 500 – und er ist automatisch Teil deines Fonds
- Technologie und andere Sektoren sind gefallen – aber auch sie sind Teil deiner Streuung
- Europäische und asiatische Märkte haben stärker gelitten, gleichen aber langfristige Risiken in einem globalen Portfolio aus
Diversifikation funktioniert genau deshalb, weil man nie im Voraus weiß, welcher Sektor oder welche Region als nächstes am besten abschneiden wird. Deshalb hält man alle. Abschwungphasen belasten das Portfolio – zerstören es aber nicht.
Stell dir vor, du hast 10.000 € in einem global diversifizierten Indexfonds angelegt. Wenn der Index in den letzten Wochen 10 % gefallen ist, ist dein Portfolio jetzt 9.000 € wert. Das fühlt sich unangenehm an – aber es ist wichtig, sich bewusst zu machen: Dieser Verlust ist bislang nur auf dem Papier. Wenn du den Fonds hältst und sich die Märkte erholen – wofür die Geschichte viele Belege liefert –, kommt dieser Wert mit der Zeit zurück.
Die häufigsten Fehler in Momenten wie diesen
1. Verkaufen, um auf bessere Zeiten zu warten
Viele denken: Ich verkaufe jetzt und kaufe wieder, wenn sich die Lage beruhigt hat. Das Problem: Märkte warten nicht auf Klarheit. Die stärksten Erholungen beginnen oft genau dann, wenn die Nachrichten noch schlecht sind.
2. In Bargeld oder Tagesgeld wechseln
Ein Sparkonto fühlt sich sicher an – und für kurzfristige Rücklagen ist es auch sinnvoll. Aber für den langfristigen Vermögensaufbau ist Bargeld der Verbündete der Inflation: Wenn die Inflation bei 3 % liegt und das Tagesgeld 2,5 % abwirft, verlierst du still und leise Kaufkraft.
3. Energie- oder Rüstungsaktien übergewichten, weil sie gerade steigen
Wenn ein Sektor schnell steigt, ist die Versuchung groß, mehr zu kaufen. Aber bis die meisten Anleger handeln, hat der Markt die Bewegung längst eingepreist. Sektoren erfolgreich rotieren zu können, gelingt selbst Profis selten.
4. Den monatlichen Sparplan pausieren
Die Anteile, die du während eines Marktabschwungs kaufst, gehören historisch gesehen zu deinen besten Investitionen. Den Sparplan in einer Krise zu stoppen, ist ein bisschen so, als würdest du genau dann aufhören einzukaufen, wenn die Preise am günstigsten sind.
Fazit: Was solltest du jetzt konkret tun?
Die kurze Antwort: Wahrscheinlich nichts Außergewöhnliches.
Wenn du einen langfristigen Plan hast, ein global diversifiziertes Portfolio und einen laufenden monatlichen Sparplan – lass ihn laufen. Das ist genau der Moment, für den dein Plan gemacht wurde.
Wenn du Geld auf der Seite hast und einen langen Anlagehorizont, lohnt es sich zu überlegen, ob ein Teil davon investiert werden sollte. Nicht weil "jetzt der Tiefpunkt ist" – das weiß niemand –, sondern weil langfristige Anleger nicht auf den perfekten Moment warten.
Und wenn du noch nicht regelmäßig investierst: Momente der Unsicherheit sind eine starke Erinnerung daran, warum es sich lohnt anzufangen. Nicht weil die Märkte sofort steigen werden – sondern weil langfristiges Investieren genau dann funktioniert, wenn die Zeit auf deiner Seite ist.
Das solltest du mitnehmen
- Geopolitische Krisen gehören zur Marktgeschichte – jede hat sich damals einzigartig angefühlt, und jede ist vorübergegangen
- Aus Angst zu verkaufen ist fast immer falsch – es realisiert Verluste und schließt dich von der Erholung aus
- Diversifikation tut gerade ihren Job – Energie steigt, andere Sektoren gleichen es aus, und ein globales Portfolio übersteht das besser als ein konzentriertes
- Führe deinen Sparplan fort – die Anteile, die du im Abschwung kaufst, sind historisch deine besten Einkäufe
- Dein Plan wurde für genau solche Momente gemacht – vertrau ihm, auch wenn die Schlagzeilen erdrückend wirken