Über Diversifikation wird beim Investieren häufig gesprochen, doch in der Praxis interessiert viele vor allem eine Frage: Wann ist Diversifikation tatsächlich ausreichend? Für die meisten langfristigen Anleger ist die Antwort zum Glück recht klar. Gute Diversifikation zu erreichen erfordert in der Regel weder viele einzelne Aktienauswahlen noch eine komplizierte Portfoliostruktur. Stattdessen entsteht sie durch die Wahl einer Lösung, die breit genug und strukturell solide ist.
Das Ziel der Diversifikation ist nicht Perfektion, sondern ausreichende Breite
Der Zweck der Diversifikation ist es, das Risiko zu verringern, das entsteht, wenn Investments zu stark von einem einzelnen Unternehmen, einer Branche oder einem Markt abhängen. Die Grundidee ist einfach: Je enger ein Portfolio ist, desto stärker hängt das Endergebnis von wenigen einzelnen Erfolgen oder Fehlern ab.
In der Praxis geht es bei Diversifikation nicht darum, das perfekte Portfolio zu bauen, das gegen jeden denkbaren Marktrückgang schützt. Ein solches Portfolio gibt es nicht. Das Ziel ist vielmehr, ein Portfolio aufzubauen, das nicht unnötig fragil ist.
Diese Perspektive ist für Einsteiger wichtig. Diversifikation bedeutet nicht, möglichst viele Anlageprodukte zu besitzen. Viel wichtiger ist, dass die eigenen Investments tatsächlich breit genug gestreut sind.
Ausreichende Diversifikation kommt oft mit einem einzigen breiten Fonds
Viele gehen davon aus, dass Diversifikation mehrere Fonds, verschiedene geografische Regionen, mehrere Branchen und sorgfältig ausbalancierte Gewichtungen erfordert. In der Praxis kann für viele Anleger bereits ein einziger breit diversifizierter Indexfonds oder ETF ausreichen, um eine ausreichende Diversifikation zu erreichen.
Wenn ein Fonds einen globalen Aktienmarktindex abbildet, verschafft eine einzige Anlage dem Anleger kleine Eigentumsanteile an einer großen Zahl von Unternehmen weltweit. Das Portfolio kann Hunderte oder sogar Tausende Unternehmen über mehrere Branchen und Länder hinweg enthalten. In diesem Fall hängt das Portfolio nicht vom Erfolg eines einzelnen Unternehmens, Sektors oder Marktes ab.
Für viele langfristige Anleger ist das bereits ein sehr solider Ausgangspunkt.
Was bedeutet ausreichende Diversifikation in der Praxis?
Eine praktische Art, über ausreichende Diversifikation nachzudenken, ist, drei einfache Fragen zu stellen.
Die erste Frage lautet, wie viele Unternehmen das eigene Geld am Ende erreicht. Wenn das Kapital nur auf ein oder wenige Unternehmen konzentriert ist, ist die Diversifikation schwach. Verteilt sich die Anlage auf eine große Zahl von Unternehmen, wird der Einfluss eines einzelnen Unternehmens deutlich kleiner.
Die zweite Frage ist, wie viele Branchen die Investments abdecken. Wenn das gesamte Portfolio auf einen Sektor konzentriert ist, etwa Technologie, kann es zwar diversifiziert wirken, bleibt aber relativ eng.
Die dritte Frage betrifft die geografische Streuung. Der Markt eines einzelnen Landes kann über lange Zeit stark laufen, aber kein einzelner Markt liegt dauerhaft vorn. Deshalb reicht ausreichende Diversifikation in der Regel über nur ein Land hinaus.
Wenn diese drei Dimensionen vernünftig ausbalanciert sind, liegt die Diversifikation für viele Anleger bereits auf einem gesunden Niveau.
Eine einfache praktische Leitlinie für Diversifikation
Für die meisten Einsteiger ist der klarste Weg zu ausreichender Diversifikation dieser:
Wählen Sie einen breiten, kostengünstigen Indexfonds oder ETF, der über den globalen Aktienmarkt investiert oder anderweitig breit über mehrere Länder und Branchen streut. Investieren Sie konsequent und halten Sie die Struktur einfach.
Mit diesem Ansatz müssen Anleger Diversifikation nicht Stück für Stück selbst konstruieren. Die Diversifikation ist bereits im Produkt eingebaut.
Wenn ein Anleger das Portfolio später erweitern möchte, kann das jederzeit überlegt geschehen. In den meisten Fällen besteht jedoch keine Eile. Für Einsteiger ist es wichtiger, mit einer sinnvollen Struktur zu starten, als von Anfang an jedes Detail optimieren zu wollen.
Beispiel: Wenn Diversifikation zu eng ist
Stellen Sie sich einen Anleger mit 10.000 € zum Anlegen vor.
Im ersten Szenario kauft der Anleger fünf vertraute finnische Aktien. Die Unternehmen wirken vertraut, ihre Namen tauchen regelmäßig in den Nachrichten auf, und der Anleger fühlt sich mit diesen Entscheidungen wohl.
Im zweiten Szenario investiert der Anleger die gesamten 10.000 € in einen globalen Indexfonds.
Die erste Option kann diversifiziert wirken, weil es mehr als ein Investment gibt. In der Praxis bleibt das Portfolio jedoch relativ eng. Die Zahl der Unternehmen ist klein, die geografische Streuung begrenzt, und das Portfolio kann stark auf nur wenige Branchen konzentriert sein.
In der zweiten Option ist dasselbe Geld breit über eine große Zahl von Unternehmen weltweit verteilt. Die Probleme eines einzelnen Unternehmens, einer Branche oder eines Landes bestimmen das Gesamtergebnis nicht in derselben Weise.
Das verdeutlicht einen wichtigen Punkt: Diversifikation bedeutet nicht nur, mehrere Investments zu haben, sondern echte Breite zu erreichen.
Mehr Fonds bedeuten nicht automatisch bessere Diversifikation
Ein häufiges Missverständnis ist, dass Diversifikation automatisch besser wird, je mehr Fonds man besitzt. Das ist nicht zwingend richtig.
Zum Beispiel könnte ein Anleger einen US-lastigen Fonds, einen Technologiesektor-Fonds und einen ETF halten, der einen großen amerikanischen Index abbildet. Obwohl das Portfolio mehrere Produkte enthält, kann es weiterhin erhebliche Überschneidungen geben. Viele derselben großen Unternehmen können in mehreren Fonds vorkommen.
Von außen kann das Portfolio diversifiziert aussehen, tatsächlich kann aber ein großer Teil des Kapitals weiterhin an dieselben Unternehmen und denselben Markt gebunden sein.
Deshalb sollte Diversifikation nach Inhalt statt nach Anzahl bewertet werden. Die entscheidende Frage ist nicht, wie viele Produkte Sie besitzen, sondern welche Werte Sie über diese Produkte tatsächlich halten.
Ausreichende Diversifikation beseitigt das Marktrisiko nicht
Es ist auch wichtig zu verstehen, was Diversifikation nicht leisten kann.
Selbst ein gut diversifiziertes Portfolio kann deutlich fallen, wenn der gesamte Aktienmarkt zurückgeht. Diversifikation verhindert das nicht. Ihr Hauptvorteil ist, dass das Endergebnis Ihrer Investments nicht vom Erfolg oder Misserfolg eines einzelnen Unternehmens oder einer kleinen Gruppe davon abhängt.
Dieser Unterschied ist wichtig. Ein diversifiziertes Portfolio bedeutet kein stabiles oder stetig steigendes Portfolio. Es bedeutet lediglich, dass das Fundament des Portfolios breiter ist.
Auch zeitliche Diversifikation spielt eine Rolle
Diversifikation betrifft nicht nur, worin Sie investieren, sondern auch, wann Sie investieren.
Viele langfristige Anleger verteilen ihre Käufe über die Zeit, indem sie regelmäßig investieren, zum Beispiel über monatliche Beiträge. Das reduziert das Risiko, einen großen Betrag zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt zu investieren. Gleichzeitig macht ein fester Rhythmus es leichter, an einem Investmentplan festzuhalten.
Zeitliche Diversifikation ersetzt die Diversifikation über verschiedene Investments nicht, sie ergänzt sie aber gut. In der Praxis funktionieren beide oft am besten zusammen: ein breit diversifizierter Fonds kombiniert mit regelmäßigem Investieren.
Welcher Diversifikationsgrad ist für die meisten Anleger ausreichend?
Für die meisten langfristigen Anleger bedeutet ausreichende Diversifikation letztlich etwas recht Einfaches: Investments sind auf viele Unternehmen, mehrere Branchen und verschiedene Länder verteilt, und das Portfolio hängt nicht übermäßig von einem einzelnen Thema oder einer Idee ab.
Das wird oft schon mit nur einem gut gewählten globalen Indexfonds oder ETF erreicht. Manchmal kann daneben noch ein zweites Investment ergänzt werden, doch in vielen Fällen ist nicht mehr nötig.
Mit anderen Worten: Ausreichende Diversifikation erfordert nur selten ein komplexes Portfolio. Sie bedeutet vor allem, unnötige Konzentration zu vermeiden.
Zusammenfassung
Praktisch gesehen bedeutet Diversifikation, dass Investments nicht zu stark von einem einzelnen Unternehmen, einer Branche oder einem Land abhängen sollten. Für die meisten Anleger ist der einfachste Weg dahin ein breit diversifizierter Indexfonds oder ETF.
Der Schlüssel ist nicht, viele Produkte zu besitzen, sondern einen ausreichend breiten Ausschnitt des Marktes abzudecken. Aus Sicht des langfristigen Investierens ist gute Diversifikation oft deutlich einfacher, als es zunächst wirkt.
Was sollten Sie sich merken?
- Ausreichende Diversifikation bedeutet kein perfektes Portfolio, sondern ein Portfolio, das breit genug ist.
- Für viele Anleger kann bereits ein einzelner globaler Indexfonds oder ETF eine starke Diversifikation bieten.
- Der Besitz mehrerer Fonds verbessert die Diversifikation nicht automatisch, wenn sich ihre Bestände stark überschneiden.
- Diversifikation reduziert die Risiken einzelner Investments, beseitigt aber nicht das allgemeine Marktrisiko.
- Eine einfache und klare Struktur ist oft besser als ein komplexes Portfolio, das schwer zu verstehen ist.