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Risikoindikator 1 bis 7: Was er zeigt – und was nicht

Der Risikoindikator von 1 bis 7 hilft, Produktrisiken zu vergleichen. Ob eine Anlage zu dir passt, zeigt er nicht. Lies ihn mit Haltedauer und Warnhinweisen.

Die Skala von 1 bis 7 im Basisinformationsblatt eines Fonds wirkt angenehm einfach. Eine Zahl scheint die Frage sofort zu beantworten: Wie riskant ist diese Anlage?

Die Zahl liefert eine nützliche, aber begrenzte Antwort. Nach dem PRIIPs-Rahmen der EU soll das Basisinformationsblatt, kurz KID, vor einer Entscheidung Art, Risiken, mögliche Gewinne und Verluste sowie Kosten eines Produkts in vergleichbarer Form darstellen.[1] Der zusammenfassende Risikoindikator ordnet das Produkt auf einer Skala von 1 bis 7 ein.[2]

Die kurze Antwort lautet: Der Indikator hilft, das modellierte Markt- und Kreditrisiko eines Produkts zu vergleichen. Er ist aber weder persönliche Eignungsprüfung noch Verlustprognose oder Sicherheitssiegel. Lies immer auch die empfohlene Haltedauer, die Warnhinweise neben der Zahl und die tatsächlichen Anlagen des Fonds.

Was misst der Risikoindikator eigentlich?

Fakt. ESMA beschreibt den zusammenfassenden Risikoindikator, den Summary Risk Indicator oder SRI, als Kombination aus geschätztem Markt- und Kreditrisiko des Produkts. Auf der Skala steht 1 für die niedrigste und 7 für die höchste Risikoklasse — nicht für die Trennung zwischen risikofrei und sicher verlustreich.[3]

Das Marktrisiko betrifft Wertveränderungen durch die Entwicklung der Märkte. Das Kreditrisiko betrifft die Möglichkeit, dass der Emittent oder eine andere zahlungspflichtige Partei ihre Verpflichtungen nicht erfüllt. Die Einstufung folgt einer regulatorisch vorgegebenen Methode. Sie ist keine frei gewählte Marketingnote des Fondsanbieters.[2]

ESMA untersuchte rund 54.000 PRIIPs-KIDs aus den Jahren 2018 bis 2020. Innerhalb desselben Szenarios hing ein höherer SRI in ungünstigen und Stressszenarien mit niedrigeren simulierten Ergebnissen zusammen. ESMA wertete dies als Hinweis darauf, dass die Methode Produkte wie beabsichtigt unterscheidet.[3]

Einordnung. Damit ist der Risikoindikator ein sinnvoller erster Filter. Er verdichtet komplexe Informationen zu einem Vergleichspunkt. Gerade weil er eine Zusammenfassung ist, kann er aber nicht alles Wichtige über ein Produkt oder dessen Eignung für eine bestimmte Person aussagen.

Was sagt die Zahl nicht aus?

Der Risikoindikator beantwortet fünf häufige Fragen nicht direkt:

  • Wie viele Euro könnte ich im nächsten Jahr verlieren?
  • Welche Rendite kann ich erwarten?
  • Ist der Fonds ausreichend diversifiziert?
  • Sind seine Kosten angemessen?
  • Passt das Produkt zu meinem Ziel und meiner finanziellen Situation?

Für diese Antworten brauchst du weitere Angaben. Neben dem Risikoindikator behandelt ein KID unter anderem den möglichen Höchstverlust, Performanceszenarien, Kosten, die empfohlene Haltedauer und die Zielgruppe.[1] Anlagepolitik, Positionen und Vergleichsindex des Fonds zeigen, woher seine Risiken in der Praxis kommen.

Eine niedrige Zahl bedeutet daher nicht, dass der Wert nicht fallen kann. Das EU-Muster verlangt, dass ein KID einen vorhandenen oder fehlenden Kapitalschutz gesondert beschreibt und wesentliche Risiken erläutert, die sich nicht angemessen in einer einzigen Zahl abbilden lassen.[2]

Auch macht dieselbe Risikoklasse zwei Fonds nicht austauschbar. Märkte, Währungen, Diversifikation, Kosten und die Aufgabe im Portfolio können stark voneinander abweichen. Das ist eine redaktionelle Schlussfolgerung aus dem begrenzten Zweck des Indikators, kein Argument gegen die Klassifizierung.

Die wichtigste Grenze ist persönlich: Die Risikoklasse eines Produkts und deine Risikotragfähigkeit sind zwei verschiedene Dinge. Die Produktzahl weiß nicht, wann du das Geld brauchst, ob du einen Notgroschen hast oder ob dich ein Kursrückgang zum Verkauf zwingen würde.

Lies die Zahl zusammen mit drei weiteren Angaben

Bleib nicht bei der farbigen Skala stehen. Lies in demselben Risikoabschnitt mindestens diese vier Punkte:

  • Risikoklasse 1 bis 7. Sie ist der Startpunkt des Vergleichs, nicht die Entscheidung.
  • Empfohlene Haltedauer. Die Darstellung muss den Zeitraum nennen, auf dem der Indikator beruht. Verändert eine frühere Rückgabe das Risiko wesentlich, muss das Dokument davor warnen.[2]
  • Warnhinweise. Falls relevant, verlangen die Regeln gesonderte Hinweise auf wesentliche Liquiditäts- und Währungsrisiken sowie andere Risiken, die der SRI nicht angemessen erfasst.[2]
  • Verbale Erklärung. Das KID muss kurz erläutern, warum das Produkt in dieser Klasse liegt und welche Verluste oder Marktbedingungen hinter der Einstufung stehen.[2]

Prüfe danach Anlagepolitik, größte Positionen oder Exponierungen, Vergleichsindex und Kosten des Fonds. Der Risikoindikator beschreibt das Risikoniveau auf einer regulatorischen Skala. Die übrigen Angaben zeigen, welche Art von Risiko du eingehst und was du dafür zahlst.

Vergleiche zunächst Produkte, die dieselbe Aufgabe erfüllen sollen. Ein globaler Aktienfonds und ein kurzfristiger Anleihenfonds müssen nicht allein anhand der Risikozahl in eine Rangfolge gebracht werden. Sie können unterschiedliche Probleme lösen.

Anschauliches Beispiel und Entscheidungsrahmen

Das folgende Beispiel ist vollständig fiktiv. Es beschreibt keinen konkreten Fonds und ist keine Anlageempfehlung.

Angenommen, du öffnest die aktuellen KIDs zweier Fonds:

Fonds AFonds B
Risikoindikator3/74/7
Empfohlene Haltedauer5 Jahre5 Jahre
Gesonderter WarnhinweisWährungsrisikoanderes wesentliches Marktrisiko
Fiktiver Anlagebetrag10.000 €10.000 €

Die Skala allein sagt, dass B nach der vorgeschriebenen Methode in der höheren Risikoklasse liegt. Sie sagt nicht, dass A besser zu dir passt, dass A nicht fallen kann oder dass B eine höhere Rendite erzielen wird.

Nehmen wir nur zur Veranschaulichung der Rechnung an, der Wert einer der beiden Anlagen fällt um 20 %. Aus 10.000 € würden 8.000 €, der Rückgang betrüge 2.000 €. Diese Annahme von 20 % stammt nicht aus dem Risikoindikator und ist keine Prognose. Sie übersetzt das abstrakte Risiko lediglich in Euro: Würden dein Ziel und deine finanzielle Lage diesen Rückgang ohne erzwungenen Verkauf verkraften?

Gehe vor einer Entscheidung in dieser Reihenfolge vor:

  • Ist das Dokument aktuell und gehört es zur richtigen Anteilsklasse?
  • Wie lautet die Risikoklasse und wie wird sie in Worten erklärt?
  • Entspricht die empfohlene Haltedauer der Zeit, die du dem Geld wirklich geben kannst?
  • Welche Warnungen zu Währung, Liquidität oder anderen Risiken stehen neben der Zahl?
  • Ist das Kapital geschützt, teilweise geschützt oder vollständig dem Marktrisiko ausgesetzt?
  • Was besitzt der Fonds, wie breit ist er und welche Aufgabe würde er erfüllen?
  • Welche laufenden, transaktionsbezogenen und sonstigen möglichen Kosten entstehen?
  • Vergleichst du Produkte, die für denselben Zweck gebaut wurden?

Wirkt die Zahl ruhig, aber die Haltedauer passt nicht oder ein Warnhinweis bleibt unklar, ist der Vergleich nicht abgeschlossen. Ist die Zahl höher, du verstehst aber Struktur, Zweck und möglichen Verlust, entscheidest du zumindest auf Grundlage der richtigen Informationen. Deine persönliche Allokation ist damit noch nicht festgelegt. Eine einzelne Zahl entscheidet jedoch nicht für dich.

Zusammenfassung

Der Risikoindikator von 1 bis 7 ist eine nützliche Verdichtung, nicht die endgültige Antwort.

Merke dir:

  • 1 steht für die niedrigste und 7 für die höchste Risikoklasse, nicht für risikofrei und sicheren Verlust
  • der SRI kombiniert geschätztes Markt- und Kreditrisiko
  • die Einstufung ist an die im Dokument genannte empfohlene Haltedauer gebunden
  • Währungs-, Liquiditäts- und andere wesentliche Risiken können eigene Warnhinweise verlangen
  • die Risikoklasse des Produkts ist nicht dasselbe wie deine Risikotragfähigkeit
  • Anlagepolitik, Diversifikation, Kosten und dein Zeithorizont gehören neben die Zahl

Die sinnvolle Anwendung ist einfach: Nutze die Zahl als Anfang des Vergleichs, nicht als dessen Ende.

Bildungshinweis

Dieser Artikel dient nur allgemeinen Bildungszwecken und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er beurteilt nicht die Eignung eines einzelnen Produkts und empfiehlt weder Kauf, Verkauf noch eine bestimmte Allokation. Fondswerte können steigen oder fallen, und Anleger können Geld verlieren. Prüfe vor einer Entscheidung immer das aktuelle KID, die weiteren Fondsunterlagen und die offiziellen Angaben des Anbieters.

Quellen

Verwandte Inhalte

Nur Bildungsinhalte, keine Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung.